Gruit

Was sind Gruitbiere?*

Gruitbiere wurden vor allem im Mittelalter, aber auch schon davor, insbesondere im Gebiet des heutigen Englands, Norddeutschlands, der Niederlande und Flandern gebraut. Gruitbiere enthielten entweder keinen oder nur sehr wenig Hopfen und stattdessen an Kräutern und Gewürzen was eben gerade zur Hand war. Das Sumpfkraut Gagel war eine häufig, aber nicht immer verwendete Zutat.

Die fehlende antibakterielle Wirkung des Hopfens wurde bei Gruitbieren häufig dadurch ausgeglichen, dass sie stärker eingebraut wurden – sprich: sie enthielten nicht selten mehr Alkohol als die heute gängigen Massenbiere. Aber auch andere Kräuter wie der Gagel oder Wermut enthalten antibakterielle Bitterstoffe, die sich günstig in Gruitbieren auf deren Haltbarkeit auswirken. Nicht zuletzt das 1516 in Bayern eingeführte sog. „Reinheitsgebot“ hat die Gruitbiere in Deutschland verdrängt und bis heute nahezu in Vergessenheit geraten lassen. Es ist an der Zeit, dass sich dies ändert.”

Ich denke, dass Gruitbiere zu den anspruchsvollsten Bieren gehören, die man brauen kann. Gleichzeitig ermöglichen sie dem Brauer eine Kreativität in der Zutatenwahl und der Rezeptentwicklung – und damit in der Geschmacksvielfalt des Endprodukts – die kein anderer Bierstil bietet.

*Text: Sören Hars für www.spentcollective.de, Download: 09.01.2018